Mitarbeiter in Saudi-Arabien
Anlagenbau in Saudi-Arabien
Staudamm- & Kraftwerksbau in Nepal
Tunnelbau/-sanierung in Indien

Bau-Consulting Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirt.-Ing. (FH) Laurenz Görres

Forschung

¬†Hinweis f√ľr Studierende!

Wer ein Thema f√ľr seine Abschlussarbeit sucht und sich des Themas dieser Arbeit nicht sicher ist, kann sich an folgenden Themen orientieren oder inspirieren lassen. Die Abschlussarbeit darf i.d.R. maximal 2/3 Recherche enthalten und muss mindestens 1/3 Eigenanteil (also "wissenschaftlichen" Inhalt bzw. eigenes Gedankengut) aufweisen.

Sie sollten das Thema nicht danach wählen, was sich schnell und einfach bearbeiten lässt, sondern was:

  • Ihrem Interesse entspricht und Ihnen Spa√ü bereitet,
  • evtl. bestehende Wissensdefizite bei Ihnen schlie√üt,
  • Aktualit√§t und Relevanz in der Bauwirtschaft aufweist und
  • vorteilhaft f√ľr zuk√ľnftige Bewerbungen als Jungingenieur*in ist (also zur Eigenwerbung nutzbar
    ‚Üí siehe folgende Beispiele: Visualisierung einer K√ľstenschutzlinie oder Visualisierung einer BE).

 

Ziele der baubetrieblichen Forschung sollten eine praxisrelevante und anwendungsorientierte Forschung sein. Forschungsinteresse besteht deshalb zu praktisch umsetzbaren Forschungsthemen. Diese haben das Bauen aus baubetrieblicher Sicht effizienter zu gestalten, indem:

  • nicht wertsch√∂pfende Prozesse in den Arbeitsabl√§ufen des Bauens - sei es in der Projektplanung, Angebotsplanung oder Bauausf√ľhrung - minimiert und wertsch√∂pfende Prozesse effizienter gestaltet werden,
  • Ger√§te- und Verfahrenstechniken optimiert werden,
  • der Umgang mit Daten f√ľr den Baubetrieb (Datenerfassung/-verwaltung/-sicherheit) vereinfacht und sicherer gestaltet wird und
  • nach zukunftsweisenden neuen Bauprodukten, Bau- und Arbeitsmethoden gesucht wird (Baurobotik, Drohnenvermessung/-√ľberwachung/-dokumentationen, industrielle Vorfertigung, 3D-Druck, automatisierte Wartungsger√§te f√ľr Bauzustandsfeststellungen im Infrastrukturbau u.√Ą.).

 

Liste möglicher Forschungsthemen 

 

Digitalisierung im Bauwesen
Einfluss der 4. Industriellen Revolution auf das Bauwesen


Als interessant und forschungsrelevant betrachte ich im Bauwesen - neben den aktuell weit verbreiteten Forschungsbereichen "BIM" und "Lean" - folgende Themen:

  • Entwicklung von Softwareanwendungen f√ľr die "intuitive" bzw. visuell unterst√ľtzte und interaktive Baustellenplanung
    ‚Üí Baubetriebliche Planung sollte - auch wenn es sich meist um individuelle Projekte handelt - nicht stets komplett neu entwickelt werden, sondern auf Bekanntem und Bew√§hrtem aufbauen. Planung l√§sst sich effizienter gestalten, wenn App-Anwendungen dem Arbeitsvorbereiter Vorschl√§ge zur Planung unterbreiten. Analog zur BKI-Datenbank f√ľr die Kostenplanung w√§re eine Datenbank mit Daten zur Baustellenplanung ein hilfreiches Tool zur Optimierung der Planung und zur Simulation der Baustelleneinrichtung und des Bauablaufes. Apps k√∂nnten auf Basis von "Swipe"-Systemen dem Arbeitsvorbereiter Vorschl√§ge unterbreiten, die dieser verwerfen oder annehmen kann. BIM-Software k√∂nnte mit entsprechenden App-Anwendungen hinterlegt werden.

     

    Quelle: eigene Darstellung | zur Vergrößerung anklicken

    ‚Üí Das Ziel ist die Entlastung und Effizienzsteigerung der Planer, Arbeitsvorbereiter, Kalkulatoren und Projektmanager in der Angebots- und Ausf√ľhrungsplanung.
    → Personal, das mit den Themen Arbeitsvorbereitung, Kalkulation usw. nicht vollumfänglich vertraut ist, erhält durch die Software Planungsassistenz.

 

  • Entwicklung von Hard- und Softwareanwendungen zur Schulung und Anleitung der Arbeitskr√§fte einer Baustelle in der Bauausf√ľhrung und zur Optimierung der Ausf√ľhrungsqualit√§t
    ‚Üí Praxistaugliche Tablet-Anwendung, die Bauabl√§ufe tagesaktuell bzw. mit Vorausschau einer Arbeitswoche und leicht verst√§ndlich in Bauphasenpl√§nen und 3D-Modellen darstellt, so dass auch ungelernter Arbeitskr√§fte ("unskilled worker") nach kurzer Einweisung die Planung und Aufgaben des Tages und der Woche verstehen und umsetzen k√∂nnen, √úberblick √ľber die erforderlichen Materialbestellungen, Materialanlieferungen und den Materialeinbau u.√Ą. erhalten (wichtig z.B. im Auslandsbau oder bei Einsatz von unerfahrenen Praktikanten oder Arbeitskr√§ften mit LRS, Legasthenie, mit sonstigen Lese- und Sprachschwierigkeiten oder anderer Herkunft).
    ‚Üí Die verschiedenen Dokumente der Baustelle, die f√ľr die bauausf√ľhrenden Arbeitskr√§fte wichtig sind, werden durch das sich selbsterkl√§rende Tablet ersetzt.

     

    Quelle: eigene Darstellung | zur Vergrößerung anklicken


    ‚Üí Das Ziel ist die bessere Information der ausf√ľhrenden Arbeitskr√§fte, die Entlastung der F√ľhrungskr√§fte, die bessere Dokumentation und die Minimierung von Ausf√ľhrungsm√§ngeln.

 

  • Entwicklung von Sensortechnik sowie Standards zur Datenerfassung und Datenauswertung in der Ger√§te- und Anlagentechnik zur Optimierung der Ger√§teleistung, der Ger√§teverf√ľgbarkeit und des Baubetriebes
    ‚Üí Flottenmanagement mit Telemetriedaten und darauf aufbauende Arbeitsvorbereitung und Baustellen-Dokumentation. In Abh√§ngigkeit der zu analysierenden Datenmenge k√∂nnte dieses Thema mit KI verkn√ľpft werden.

     

    Quelle: eigene Darstellung | zur Vergrößerung anklicken

     

     

    Quelle: eigene Darstellung | zur Vergrößerung anklicken

     

    ‚Üí Die Art der zu erfassenden Telemetriedaten von Ger√§ten und Anlagen, das Senden und Empfangen, die Datenspeicherung und Datensicherung sowie die Datenauswertung und Datenaufbereitung f√ľr den Baubetrieb w√§ren zu kl√§rende Aspekte. Die Live-Auswertung der Daten gibt der Bauleitung die M√∂glichkeit, bei Abweichungen von definierten Grenzwerten umgehend einzugreifen und die Leistung der Ger√§te (vor allem Leitger√§te) hoch zu halten oder St√∂rungen im Bauablauf fr√ľhzeitig nachzugehen oder diesen vorzubeugen.
    ‚Üí Beispiel: Die Formel 1 erfasst seit Jahrzehnten Fahrzeugdaten w√§hrend des Rennens und wertet diese live aus, um Fahrzeugeinstellungen w√§hrend des Rennens zu steuern und das Fahrzeug schnellstm√∂glich √ľber die Ziellinie zu bringen. Diese Idee gilt es auf einzelne Ger√§te und die Gesamtheit aller Ger√§te und Anlagen im Baubetrieb zu √ľbertragen. Die Auswertung der Daten muss automatisiert erfolgen, so dass die Bauleitung nur die wichtigsten Daten erh√§lt, um darauf Entscheidungen f√ľr den Baubetrieb treffen zu k√∂nnen.
    ‚Üí Ziel: Mehr und bessere Informationen f√ľr die Entscheidungtr√§ger; bessere Dokumentation; st√∂rungs√§rmere Bauabl√§ufe; schnelle Bauprozesse; weniger Konflikte; Technikvorsprung

 

  • Entwicklung von Systemen zum Datenmanagement auf Baustellen zur Dokumentation und Optimierung des Bauablaufes.
    ‚Üí Dieses Thema kn√ľpft am vorherigen an und weitet die Datenerfassung und Datenauswertung auf alle Bereiche des Baubetriebs aus.

     

    Quelle: eigene Darstellung | zur Vergrößerung anklicken

     

    Siehe Ex-Google-Deutschland-Chef Christian Baudis in Focus-Online vom 04.10.2021:

    "Sp√§testens seit Edward Snowden wissen wir, dass es Cyberkriminalit√§t gibt. ... es ist ein sehr wichtiges Thema, denn die deutsche Wirtschaft verliert durch kriminelle Attacken auf Unternehmen jedes Jahr sch√§tzungsweise mehr als 100 Mrd. Euro, Tendenz stark steigend. Deshalb sind viele unserer Patente ... schon l√§ngst mehrfach gehackt und kopiert worden, ohne dass wir √ľberhaupt etwas davon mitbekommen haben. Wir ben√∂tigen also Experten, die die Firmen davor sch√ľtzen ‚Äď mehrere je nach Unternehmensgr√∂√üe. Dieses Berufsfeld kennen wir aber in Deutschland nicht. Dabei ist es einer der vielen Zukunftsjobs in der digitalen Welt."

    Mit der zunehmenden Digitalisierung der Baustellen, gilt dies auch f√ľr Bauunternehmen. Es geht dabei im Bausektor evtl. weniger um Datenklau, sondern vielmehr um Sabotage, Erpressung usw.

 

  • Auslandsbau und Digitalisierung (Fern√ľberwachung von Baustellen mit Drohnen u.√Ą.)
    ‚Üí Die Fragestellung ist, wie Baustellen sich live aus der Ferne vollumf√§nglich (nicht nur durch eine Webcam von au√üen sondern auch im Ausbau) √ľberwachen und die T√§tigkeiten sich dokumentieren lassen. Diese Frage ist wichtig f√ľr Baustellen im Ausland aber auch f√ľr Baustellen unterschiedlichster Gr√∂√üe in Deutschland. Die Fern√ľberwachung spart Reisezeiten und Reisekosten und erm√∂glicht weiteren Projektbeteiligten, Kontrollfunktionen f√ľr eine Baustelle aus der Ferne zu √ľbernehmen. In Zeiten von Corona minimiert die Fern√ľberwachung den Kontakt mit anderen Personen.
    ‚Üí Fern√ľberwachung von Bauobjekten spielt auch eine Rolle bei (R√ľck-)Bauten, die mit Gefahren f√ľr die Arbeitskr√§fte einhergehen (z.B. von Zwischenlagern f√ľr Atomm√ľll, Arbeiten in kontaminierten B√∂den u.√Ą.).

 

  • Verschiedenste Fragestellungen zu Building Information Modeling (BIM) sowie BIM in der baupraktischen Anwendung im Hoch- und Ingenieurbau.

     

    Quelle: eigene Darstellung | zur Vergrößerung anklicken

     

    BIM ist nicht nur auf Bauobjekte anwendbar, sondern eignet sich auch f√ľr die Darstellung der Baustelleneinrichtung. Die BIM-Anwendung f√ľr eine BE scheitert derzeit allerdings an entsprechend verf√ľgbaren "Ger√§tebibliotheken".

     

    Quelle: eigene Darstellung | zur Vergrößerung anklicken

     

    BIM ist dabei nicht ausschließlich als eine "Software" zu betrachten. BIM stellt viel mehr da, wie der folgenden Darstellung zu entnehmen ist:

     

    Quelle: eigene Darstellung | zur Vergrößerung anklicken

     

Siehe Ex-Google-Deutschland-Chef Christian Baudis in Focus-Online vom 04.10.2021:

"Digitale Megatrends wie Robotik, autonome Mobilit√§t, Big Data und K√ľnstliche Intelligenz, Sensorik und Internet der Dinge, ... und Cyberkriminalit√§t, stellen die Wirtschaft in den folgenden Jahren einmal auf den Kopf. Die Arbeitswelt wird ebenso herausgefordert, Jobs in Frage gestellt ... Mit der industriellen Revolution wurde die k√∂rperliche Arbeit ersetzt, mit der digitalen die einfache, wiederkehrende Sachbearbeitung und Recherchet√§tigkeit ‚Äď diese √ľbernimmt zum Gro√üteil k√ľnftig die Maschine."

 

Quelle: eigene Darstellung | zur Vergrößerung anklicken

 

Studierende, die heute mit Abschluss ihrer Berufsausbildung noch 40 Jahre zu arbeiten haben, werden mit diesen Themen definitiv in Ber√ľhrung kommen. Das Problem besteht darin, dass das individuelle Vorstellungsverm√∂gen langsamer ist als die derzeitige technische Entwicklungsgeschwindigkeit.

 

Quelle: eigene Darstellung | zur Vergrößerung anklicken

 

 

Die "Mobilie Immobilie"
Neue ressourcenschonende, flexibe und nachhaltige Wohnformen


Ein weiteres interessantes Forschungsgebiet ist f√ľr mich das Thema "Mobile Immobilie" oder die Fragestellung, wie wir zuk√ľnftig unseren privaten Wohnraum - bei knapper werdenden Ressourcen, erheblichen Teuerungen beim Bauen und sich st√§ndig ver√§ndernden (pers√∂nlichen) Bedingungen - gestalten wollen oder sollten?! Hier gilt es grundlegende Ans√§tze zum Erwerb einer Immobilie und zur Konzeption einer Immobilie zu hinterfragen und neu zu definieren. Unter dem Titel "Mobile Immobilie" wird ein Wohnraum-Konzept in Modulbauweise f√ľr Kleinwohnr√§ume verstanden, das transportabel ist und sich dem Leben und Umst√§nden der Eigent√ľmer anpasst. Die "Mobile Immobilie" soll zudem ein hohes Ma√ü an industrieller Fertigung aufweisen und so das Bauen "vor Ort" auf ein Minimum reduzieren. Ein weiteres Kennzeichen der "Mobilen Immobilie" soll ein hoher Grad an Versorgungsautarkie und Netzunabh√§ngigkeit sein.

Die "Mobile Immobilie" als schnell verf√ľgbare Ersatzbauten, Schnellaustauschbauten oder Erg√§nzungsbauten, die Raum f√ľr Wohnen, Arbeiten (z.B. tempor√§rer B√ľrokomplex), soziale Belange (z.B. tempor√§res Jugendzentrum, Betreuungsoptionen o.√Ą.) und Freizeit (z.B. Ferienwohnung) schaffen. Entwicklung standardisierter Kupplungssysteme zwischen den Modulen f√ľr die Ver- und Entsorgung ans √∂ffentliche Netz. Entwicklung von Autarkiesystem f√ľr Netzunabh√§ngigkeit.

 

Quelle: eigene Darstellung (Ausarbeitungen von Hr. Böttger, Masterarbeit 2019) | zur Vergrößerung anklicken

Die "Mobile Immobile" ist nicht mit dem derzeit h√§ufig vorzufindenem Thema "Tiny House" zu verwechseln. Die grunds√§tzliche Idee ist dieselbe, Wohnraum kleiner zu gestalten, optimaler zu nutzen, weniger Grund und Boden zu verbauen und g√ľnstigeren Wohnraum zur Verf√ľgung zu stellen. Die "Mobile Immobilie" in Holzst√§nderbauweise soll allerdings auch Wohnraum in bekannter Wohnqualit√§t schaffen. Sie wird nahezu 100% industriell vorgefertigt und soll einen m√∂glichst kleinen CO2-Abdruck in der Fertigung aufweisen. Die Baustoffe und verbauten Materialien haben vollst√§ndig wiedergewinnbar zu sein. F√ľr die "Mobile Immobilie" wird eine gr√∂√ütm√∂gliche Netzunabh√§ngigkeit bzw. Versorgungsautarkie angestrebt und sie muss mittels LKW transportabel zu sein. Wohnraum wird auf diese Weise vom Grundst√ľck entkoppeln und g√ľnstiger zur Verf√ľgung gestellt. Die "Mobile Immobilie" passt sich dem Leben ihrer Besitzer an, weil sie mobil, beliebig erweiterbar und r√ľckbaubar ist.¬†

 

 

Betrachtung der Energieeffizienz im Bauwesen / CO2-Abdruck von Bauausf√ľhrungen


Der CO2-Abdruck von Bauausf√ľhrungen sollte zu einem Wettbewerbskriterium oder Beurteilungskriterium f√ľr Bauausf√ľhrungen werden, weil das Bauwesen mit ein Treiber des Klimawandels ist. Es gilt zu analysieren, welche Auswirkungen der Klimawandel auf das Bauen nehmen wird und welche M√∂glichkeiten im Bauwesen bestehen, Energie einzusparen, Ressourcen zu schonen und und Baustoffe zu recyceln.

 

 

Wie m√ľssen sich "Baubetrieb" und "Baumanagement" in Praxis und Lehre wandeln,
um dem Aspekt "Klimawandel" zu ber√ľcksichtigen?


Im Zuge des Klimawandels stellt sich die Frage, wie sich dieser auf den Baubetrieb in Zukunft auswirken wird. Um den Klimawandel abzumildern, werden noch sehr gro√üe Projekte weltweit zu realisieren sein. Bestehende Infrastrukturen werden einem enormen Wandel unterzogen werden. Neue Infrastrukturkonzepte m√ľssen umgesetzt werden. Dies wird mit Sanierung und Umbau oder Abbruch, Recycling und Neubau einhergehen. Es werden eventuell auch neue Gebiete erschlossen und an Orten gebaut werden, die heute noch f√ľr undenkbar gehalten werden (z. B. auf den Meeren oder in Polregionen). Gleichzeitig werden in zuk√ľnftig gef√§hrdeten Gebiete bestehende Strukturen r√ľckzubauen sein oder die bestehenden Strukturen m√ľssen verst√§rkt werden (z. B. vorhandene D√§mme, Hochwasserschutzanlagen u. √Ą.). Die Frage ist, welche Auswirkungen dies auf den Baubetrieb (und die Lehre!) haben wird (siehe auch FAZ vom 07.06.2016).

 

 

Was sollte bei (Gro√ü-)Projekten zum Vertragsabschluss zwischen den Vertragsparteien geregelt werden, damit die Bauausf√ľhrung in m√∂glichst konfliktarmer Weise erfolgt?


Unter Ber√ľcksichtigung, dass ca. 2/3 aller Probleme und Konflikte in der Bauausf√ľhrungsphase auf Fehler in der Vorvertragsphase zur√ľckzuf√ľhren sind, liegt das beste Optimierungspotential f√ľr eine konflikt√§rmere Projektabwicklung in der Vorvertragsphase. Zu erforschen ist deshalb, welche effektiven und praktischen "Stellschrauben" den Beteiligten in der Vorvertragsphase zur Verf√ľgung stehen, um in einem (unvermeidbaren) konflikttr√§chtigen Umfeld eine konfliktarme Bauausf√ľhrung sicherzustellen. Als effektive und forschungsrelevante Stellschrauben ergeben sich:

  • die Kalkulation bzw. die transparente, nachvollziehbare und m√∂glichst vollst√§ndige Preisermittlung,

  • das Risikomanagement inkl. der Ber√ľcksichtigung von einheitlich definierten Risikokosten,

  • Regelungen zur Kommunikation und Konfliktvermeidung sowie zum Konfliktmanagement in der Ausf√ľhrungsphase,

  • das Vertragswesen.

 

 

Wie lässt sich Konfliktmanagement im Bauwesen besser realisieren?


Weiteres Forschungsinteresse gilt der Mediation und anderen Formen der Konfliktbeilegung im Bauwesen, da sich Konflikte in der Bauausf√ľhrung nicht g√§nzlich vermeiden lassen. In gro√üen Projekten wird es immer Konflikte verschiedenen Ausma√ües geben. Die Mediation hat sich bis heute im Bauwesen allerdings nicht richtig etablieren k√∂nnen, wof√ľr die Gr√ľnde zu erforschen sind. Zu hinterfragen w√§re diesbez√ľglich:

  • Ob f√ľr das Bauwesen besondere Formen der Mediation bzw. des Konfliktmanagements erforderlich und sinnvoll sind?

  • Wie f√ľr das Bauwesen aufeinander aufbauende Konfliktbeilegungsverfahren zu gestalten und vertraglich zu vereinbaren sind?

  • Wie sich bei best√§ndigen bzw. sich verselbstst√§ndigenden Baukonflikten eine Konflikteskalation unterbinden l√§sst?

  • Wie sich die Mediation im Bauwesen f√∂rdern l√§sst?

  • Ob es sinnvoll ist, das Thema "Mediation" zu einem Lehrinhalt an Hochschulen zu machen?

 

 

Muss die heutige Kalkulationsweise im Bauwesen,
die auf ein Kalkulationskonzept der 1930-er Jahre zur√ľckgeht,

an heutige Projektbedingungen besser angepasst werden?


Ein weiteres Interesse meinerseits gilt der Optimierung der heutigen Kalkulationsweise, da ein nicht unerheblicher Teil vieler Baukonflikte auf fehlerhaften oder nicht nachvollziehbaren Kalkulationen beruht. Die heutige Kalkulationsweise hat ihren Ursprung in den 1920-/1930-er Jahren (durch Ribau) und 1940-er Jahren (durch Opitz) und auf der Basis der damaligen Bauumst√§nde. Da das Bauen heute auf ganz anderen Umst√§nden und Bedingungen aber auch Haltungen und Einstellungen der Beteiligten beruht als in den 1920-er und 1940-er Jahren, stellt sich die Frage, inwiefern die heutige Art und Weise der Kalkulation noch dem urspr√ľnglichen Konzept nach Ribau und Opitz entspricht und ob ein Anpassungs- oder Optimierungsbedarf bei der heutigen Kalkulationsweise besteht!? Siehe hierzu auch folgende Zeitungsartikel:

Es ist auch zu untersuchen, wie sich Risikokosten einheitlicher in der Kalkulation erfassen lassen. Die Risikotragung des AN stellt eine Leistung dar, f√ľr die er Kosten zu hinterlegen hat und die zu verg√ľten ist. Dazu Bedarf es einheitlicher Regeln, damit der Wettbewerb zwischen den Bietern nicht verzerrt wird und Angebote vergleichbar bleiben.

 

 

Was muss man beim Bauen im Ausland in Entwicklungs- und Schwellenländern
bzw. in Krisengebieten ber√ľcksichtigen?


Ein spannendes und eher selten vorzufindendes Forschungsfeld ist das Bauen im Ausland und insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Im Zuge der globalen Klima- und Umweltprobleme wird es zuk√ľnftig erforderlich sein, in diesen L√§ndern - mit westlicher Hilfe - mehr oder bessere Infrastrukturen zu errichten, um beispielweise Lebensgrundlagen zu erhalten und Migrationsstr√∂me zu verhindern. Die Frage dabei ist, wie sich gr√∂√üere Infrastrukturprojekte in solchen L√§ndern mit multinationaler Unterst√ľtzung und Beteiligung umsetzen lassen, in denen die Voraussetzungen daf√ľr kaum gegeben sind. Dies gilt auch f√ľr L√§nder in einem Zustand nach:

  • Kriegen (wie z. B. Syrien, Irak, Afghanistan, Jemen, Libyen usw.),

  • verheerenden Naturkatastrophen oder schweren Umweltkatastrophen (wie z. B. Haiti nach dem Erdbeben 2010),

da sich die L√§nder dann in einem Wiederaufbau befinden. In diesen L√§ndern besteht enormer Baubedarf. Es ist nicht nur zu kl√§ren, wie sich Projekte in diesen L√§ndern unter Einsatz √∂ffentlicher F√∂rdergelder wirtschaftlich, √∂kologisch, sozialvertr√§glich umsetzen lassen, sondern auch welche besonderen Qualifikationen das entsandte Personal f√ľr solch schwierige Projekte aufweisen muss (Bauen in Krisenl√§ndern).

 

 

Wie erfolgt der R√ľckbau von bestehenden Kernkraftwerken bzw.
welche baubetrieblichen Aspekte m√ľssen dabei ber√ľcksichtigt werden?


Ein interessantes, baubetriebliches Forschungsgebiet ergbit sich zu der "Mammut-Aufgabe" des z√ľgigen R√ľckbaus von bestehenden, stillgelegten Kernkraftwerken in Deutschland und weltweit. Deutschland hat mit dem eingeleiteten Atomausstieg eine Vorreiterrolle diesbez√ľglich √ľbernommen und andere L√§nder werden diesem Vorbild fr√ľher oder sp√§ter folgen. Der R√ľckbau dieser Anlagen bis hin zu einer "gr√ľnen Wiese" ist ein hochkomplexes, baubetrieblich sehr herausforderndes T√§tigkeitsfeld. Es erfordert neue Maschinen- und Verfahrenstechniken, besondere Robotik f√ľr Arbeiten in gef√§hrdeten Bereichen, komplexe Bauablaufplanung, Materialkunde, neue Recycling- und Lagerungskonzepte, besondere Logistik und besonderen Arbeitsschutz, Langzeitplanung bei Terminen und Kosten, besonderes Risikomanagement, interdisziplin√§re Arbeit und vieles mehr: Alles Aspekte des Baubetriebs!


Bearbeitungsstand dieser Webseite: Oktober 2021

nach oben